Manuel & die Weihnachtszeit

Manuel, Biologe, aus Düsseldorf empfiehlt „Nicht nur zur Weihnachtszeit. Satiren“ von Heinrich Böll.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Das Buch ist eine Sammlung von 16 Kurzgeschichten, die Böll in den 1950er bis Anfang der 60er Jahren geschrieben hat. Es geht um die Nachkriegsgeneration, die Verdrängung des Nationalsozialismus, um Traumata, starre Traditionen, Absurditäten des Kulturbetriebs, Aufstiegs- und Abstiegschancen/-pflichten und sehr viel um das menschliche Ego.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Nicht jede der 16 Geschichten hat mich überzeugt, aber insgesamt ist es ein wunderbarer Mix ironischer Texte. Böll schreibt aus Sicht von Außenseitern, von „Sonderlingen – einmal sogar aus der Sicht einer Porzellantasse – und legt so den Finger in die Wunde des Nachkriegsdeutschlands. Mal witzig, mal melancholisch. Mir persönlich gefallen die absurden Geschichten besser. Die, über die man etwas länger nachdenken muss. Den allzu deutlich erhobenen moralischen Zeigefinger finde ich etwas mühsam.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Ein Gefühl der Beklemmung.

4. Was ist deine Lieblingspassage?
Da möchte ich gerne aus zwei Geschichten zitieren:
„Schimmelpilze der Zersetzung haben sich unter der ebenso dicken wie harten Kruste der Anständigkeit eingenistet.“ (Nicht nur zur Weihnachtszeit)

„Ihr Lebenslauf ist ihnen wichtiger als ihr Leben, man muss nur auf einen Knopf drücken, und schon erbrechen sie ihn in Ehren. (…) Wunsiedels Sekretärin hatte einen gelähmten Mann und vier Kinder durch Stricken ernährt, hatte gleichzeitig in Psychologie und Heimatkunde promoviert, Schäferhunde gezüchtet und war als Barsängerin unter dem Namen >Vamp 7< berühmt geworden.“ (Es wird etwas geschehen. Eine handlungsstarke Geschichte)

Heinrich Böll. Nicht nur zur Weihnachtszeit. Satiren. dtv Verlag. 1977