Charlotte & die Reparatur

Charlotte, Psychologin, aus Wien empfiehlt „Wie man Dinge repariert“ von Martin Peichl.

1. Worum geht es für dich in dem Buch?
Einblicke, Ausschnitte, Gedankenfetzen. Für mich geht es in dem Buch vor allem darum, sich nicht entscheiden zu können. Wie möchte man sein Leben im Rahmen der Möglichkeiten, die man hat, gestalten? Und welche Möglichkeiten stehen einem überhaupt zur Verfügung? Tinder oder Beziehung, Bier oder Schnaps, Wald oder Stadt? Weiß ich oft recht genau, was ich nicht will, weiß ich dagegen selten, was ich eigentlich will. Dem Protagonisten geht es ähnlich.

2. Warum empfiehlst du dieses Buch?
Weil es mich nicht nur inhaltlich anspricht, sondern auch sprachlich gut ist. Martin Peichl spielt mit seinen Worten, Sätzen und Kapiteln. Zwischendurch immer wieder ein „Beziehungsstatus“, der das Geschriebene verbindet und trennt. Den Zustand des „Ich habe das Gefühl, Dinge reparieren zu müssen, weiß aber eigentlich gar nicht genau, wie. Weiß nicht, ob sie überhaupt kaputt sind und wenn ja, ob sie nicht irreparabel sind“ kann man als Leser/in nachfühlen. Und, was für mich ganz entscheidend ist: Es gibt darüber kein Jammern, keine Wehleidigkeit (ja, ich schaue vorwurfsvoll zu Dir, Großstadtroman der 90er Jahre!). Wir befinden uns in einem Ist-Zustand.

3. Du hast den letzten Satz gelesen, schlägst das Buch zu. Was bleibt?
Der Wunsch, gemeinsam mit dem Autor eine Nacht lang durchzutrinken.

4. Was ist dein Lieblingszitat?
„Obwohl Du fast vierzig bist, bekommst du ab und zu noch spontane Erektionen, zum Beispiel, wenn du von den 300 ungelesenen E-Mails 100 bearbeitet hast und Outlook nur noch 200 ungelesene Nachrichten anzeigt, oder wenn du beim Pokerabend zwei Asse in der Hand hältst, oder wenn im Hallenbad dein Blick auf ein feuchtes Schamhaar fällt.“

Martin Peichl. Wie man Dinge repariert. Edition Atelier. 2019