Peter, Autor und Literaturwissenschaftler, aus Wien empfiehlt „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ von Hannah Arendt.

Gut, manche kritisieren Hannah Arendt, man könne Arbeit, Herstellen und Handeln nicht so einfach voneinander trennen und vor allem nicht hierarchisieren. Aber gute (philosophische) Literatur soll auch Widerspruch provozieren, soll zum Denken anregen. Und gute philosophisch-politische Literatur vielleicht auch zum Handeln. In Ihrem Hauptwerk „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ geht es um nichts weniger als um die Frage nach politischer Selbstverantwortlichkeit, um das Mitwirken des Einzelnen an öffentlichen, politischen Prozessen und um die Freiheit solches zu tun.

Das Wesen des menschlichen Lebens unterteilt Arendt dabei in drei Bereiche, jedem ist ein eigenes Kapitel gewidmet, wobei die Arbeit die Existenz des Individuums und der Gattung Mensch sicherstelle, das Herstellen eine künstliche Welt ermögliche, welches der menschlichen Sterblichkeit „so etwas wie Bestand und Dauer“ entgegenhalte, das Handeln aber, „soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, […] die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte“ schaffe.

Das spannende, lehrreiche, weiterzudenkende an Arendts Überlegungen ist nun, zum einen, dass es für sie gerade das Handeln ist, welches den Kern des Mensch-Seins ausmacht. Zum anderen, dass sie das Handeln als ein Interagieren versteht, der/die Einzelne kann nur in der Pluralität handeln. Voraussetzung dafür ist der öffentliche Raum (also raus auf die Straße!). Und zum dritten, und für mich als Schriftsteller und Literaturwissenschaftler von besonderer Bedeutung, dass das Handeln unabdingbar mit Kommunikation verknüpft ist, dass also Sprache/Sprechen immer auch Handeln und daher immer auch politisch ist, „denn Menschen sind nur darum zu Politik begabte Wesen, weil sie mit Sprache begabte Wesen sind.“

Hannah Arendt. Vita activa oder Vom tätigen Leben. 1960